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Zahlreiche technische Entwicklungen ermöglichen es den Formel-1-Teams,
die Leistung ihrer Boliden zu verbessern, und dies in einem Ausmaß,
dass die Wagen heutzutage ohne Notebook-Computer nicht einmal mehr
gestartet werden können.
Hewlett-Packard stellt einzigartige und vollintegrierte Lösung
für das Jaguar-Racing-Team zur Verfügung. Die HP-Infrastruktur
bietet bei Jaguar nicht nur die Grundlage für die fortlaufende
Entwicklung der Rennwagen, sie kommt auch in verschiedenen anderen
Betriebsbereichen des Unternehmens zum Einsatz und garantiert rechtzeitige
und präzise Informationen und Daten, die für die Teamleistung
entscheidend sind. Eine solche Partnerschaft ist in auch in der
Hinsicht einzigartig, dass sich Formel-1-Teams gewöhnlich für
mehrere Partner entscheiden.
Beim Jaguar R1 Modell, das aus mehr als 2.500 Teilen besteht, hat
Jaguar Racing auf die Cad-Cam- Technologie vertraut, mit deren Hilfe
man eine virtuelle Ansicht des Wagens erhält und so schon dessen
gesamten Ausmaße kennt, bevor der Wagen tatsächlich gebaut
wird. Während andere Teams weiterhin mit dem Zeichenbrett arbeiten,
konnte Jaguar Racing mittels dieser Technik seinen Wagen in weniger
als 6 Monaten von Grund auf entwickeln und produzieren.
Bei jedem Grand Prix wird ein Computer-Netzwerk aufgebaut, durch
welches das Team mit dem Analysezentrum in Milton Keynes (Buckinghamshire)
verbunden ist. Während die Wagen die Box in einer Geschwindigkeit
von 270 km/h passieren, werden die Telemetriedaten von über
150 Sensoren erfasst und in Sekundenschnelle über ISDN-Verbindungen
zurück in die Montagewerkstatt gesendet.
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Nach jedem Renntag wird ein ganzes Datenpaket
übermittelt und auf einem originalgetreuen Simulator mit Wagen
und Dummy getestet. Dort geben die Ingenieure neue Parameter ein,
z.B. für Aufhängung, Reifendruck und Schwerkraft, um zu
testen, wie sich die Rennleistung des Wagens dadurch verändert.
Über Nacht werden vollständige Analysen durchgeführt,
die dem Fahrer Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen,
die dann am nächsten Morgen ausprobiert werden können. Dies
erklärt, warum die Testzeiten manchmal von einem Tag zum anderen
deutlich voneinander abweichen können |
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Formel-1-Rennwagen sind Raketen auf Rädern.
Wenn ein Kilogramm von 1,23 PS bewegt wird, sind Frontal- und Querbeschleunigung,
Höchstgeschwindigkeit und Bremsverzögerung enorm. Vor allem
auf kurvenreichen Hochgeschwindigkeitskursen wie im japanischen Suzuka
sind die Piloten höchsten Belastungen ausgesetzt, die nur in
der Raumfahrt oder bei Kunstflugmanövern übertroffen werden. |
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Beim Anbremsen am Ende langer Geraden
werden auf Formel-1-Strecken Fliehkräfte von 4 g - dem Vierfachen
der normalen Erdanziehungskraft - erreicht. Ein Fahrer, der 75 Kilo
auf die Waage bringt, ist dann plötzlich 300 Kilo schwer.
In schnellen Kurven werden zwischen 3,0 und 3,6 g gemessen, in
Suzuka gleich an vier Punkten. Bei 53 Rennrunden sind das über
200 Kraftakte vor allem für die Nackenmuskulatur der Fahrer.
Den Spitzenwert von 3,6 g erreichte Alexander Wurz im Benetton beim
Großen Preis von Japan in der Dunlop-Kurve bei rund 220 km/h.
Ein Formel-1-Bolide beschleunigt in 2,8 Sekunden auf Tempo 100
und erreicht nach 4,2 Sekunden bereits 160 km/h. Tritt der Fahrer
bei Tempo 110 auf die Bremse, steht das Auto nach zwei Sekunden.
Aus ärztlicher Sicht kommt es bei den extremen Beschleunigungen
bzw. Verzögerungen ständig zu Verschiebungen der Gehirnmasse
und der Blutmengen im Herzen, die kurzfristig zu Minderdurchblutungen
bis zum "Blackout" führen können. Allerdings
nicht bei top-trainierten Fahrern. Dennoch gibt es Überlegungen,
auch in der Formel 1 spezielle Druckanzüge einzuführen,
ohne die Astronauten oder Kampfjet-Piloten nicht überleben
könnten.
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Mit Tempo 200 an der Wohnungsdecke entlang?
Moderne Formel-1-Rennwagen würden bei dieser Geschwindigkeit
tatsächlich "kleben" bleiben. Möglich ist dies
durch den enormen Abtrieb (engl.: downforce), also die Bodenhaftung
der Boliden. Größer als auf dem Stadtkurs von Monaco und
auf dem kurvenreichen Hungaroring bei Budapest ist der Abtrieb auf
keiner anderen Strecke. |
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Je nach Konstruktion des Autos werden
etwa zwei Drittel des Abtriebs durch Front- und Heckflügel, ein
Drittel durch den Ansaugeffekt am Unterboden ("Venturi-Effekt")
erreicht. Mit "viel Flügel" fahren heißt einerseits,
sie steiler zu stellen. Andererseits kann der Heckflügel von
zwei (Hockenheim) auf bis zu zehn Elemente aufgerüstet werden.
Dann sinkt allerdings die Spitzengeschwindigkeit und der cw-Wert (Luftwiderstands-Beiwert)
eines Formel-1-Autos wird größer als der eines modernen
Trucks. |
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Die computersimulierten Einstellungen
von Front- und Heckflügel dienen gleichzeitig der Balance des
Autos. Eine Verstellung via Elektronik durch den Fahrer bzw. per Funksignal
aus der Box ist laut Reglement aus Sicherheitsgründen verboten.
Der Anpressdruck steigt auch bei geringerer Bodenfreiheit, da die
Luft unter dem Chassis dann schneller hindurchströmt. In Parkposition
hat ein Rennwagen noch ca. fünf Zentimeter Bodenfreiheit, im
Rennen manchmal nur wenige Millimeter. Die Abtriebskräfte sind
enorm: Zum Höchstgewicht von Auto und Fahrer (insgesamt 600
Kilogramm) kommen beispielsweise auf dem Hungaroring noch einmal
bis zu 1 600 kg. Die Aufhängungselemente werden dann mit über
zwei Tonnen belastet.
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Michael Schumacher ging beim
Großen Preis von Australien in Melbourne 2000 mit einem neuen
Chassis an den Start. Dieses "Grundgehäuse" des F1-2000
ist drei bis vier Kilogramm leichter als das alte Ferrari-Modell,
womit die Ingenieure bei der Gewichtsverteilung mehr Spielraum haben.
Die Kohlefaser-Chassis in der Formel 1 wiegen normalerweise zwischen
35 und 40 kg. Da Schumachers Ferrari in der vergangenen Saison immer
mehr modifiziert wurde, wurde das Auto insgesamt immer schwerer.
Mit der nun leichteren "Sicherheitszelle", wie das Chassis
auch genannt wird, hatte der Ferrari jetzt wieder wie viele Konkurrenzfahrzeuge
noch einige Kilos weniger als das geforderte Mindestgewicht von
600 kg. So kann das Auto durch zusätzliche Blei- oder Wolframplatten
je nach Streckencharakter auf einen Kurs angepasst werden.
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Die Sicherheitszelle ist eine eigenständige
Konstruktion, sie reicht von den Pedalen bis zu den Cockpitwänden
und dem Überrollbügel. Sie besteht aus zwei Lagen Karbonfiber,
zwischen denen eine aus Aluminium bestehende Wabenkonstruktion sitzt. |
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Das Chassis umfasst das Cockpit des Fahrers
vom Fußraum bis zum Tank einschließlich Überrollbügel.
Seit 1981 bestehen die Fahrer- Gehäuse nicht mehr aus Aluminium,
sondern aus Kohlefaser, als der englische Designer John Barnard mit
einem entsprechenden neuartigen McLaren die Formel 1 revolutionierte
und die Sicherheit für die Fahrer entschieden verbesserte. Die
"Überlebenszelle" weist eine extreme Steifheit auf,
als "Knautschzone" dienen die vorgelagerte "Nase"
des Autos sowie die Seitenkästen und ein besonderes Crash- Element
im hinteren Teil des Fahrzeugs. |
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Für die Teams gehört die Konstruktion
von Sicherheitszelle und Chassis zu den langwierigsten und aufwendigsten
Aspekten bei der Konstruktion eines F1-Autos. Das Chassis besteht
aus diversen Karbon-Composit-Schichten. Die Wandstärke variiert
je nach den Kräften, welche die entsprechende Stelle aushalten
können muss. Vom ersten Hand-Anlegen bis zum Ende der Lackierarbeiten
an einem neuen Chassis vergehen rund sechs Wochen. |
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Als Michael Schumachers Ferrari beim Grand-Prix
von Großbritannien 1999 von der Strecke abkam und in die Leitplanken
einschlug, hatte es der Deutsche vor Allem der ihn umgebenden Sicherheitszelle
zu verdanken, dass er nur einen Beinbruch erlitt. Laut Reglement muss
die Sicherheitszelle der F1-Autos in der Lage sein, Kräften bis
zum Sechzigfachen unserer Schwerkraft zu widerstehen. Um sicher zu
stellen, dass jedes Auto tatsächlich diesen Anforderungen entspricht,
werden sie von der FIA extremen Labortests unterzogen, bevor sie die
Zulassung zum Rennen bekommen. |
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Ein Kupplungsproblem an Michael Schumachers
Ferrari führte zum Fehlstart und damit zur Vorentscheidung im
WM-Kampf beim letzten Rennen 1998 im japanischen Suzuka. Der zweimalige
Weltmeister hatte den Kupplungshebel schräg hinter dem Lenkrad
zwar gezogen, trotzdem kam es zum Kraftschluss zwischen Motor und
Getriebe - der Zehnzylinder wurde praktisch abgewürgt. Vergleichbar
ist dies beim Pkw mit dem Abrutschen vom Kupplungspedal. |
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Für das Versagen der hydraulischen
Kupplung von Sachs kann es mehrere Ursachen geben: Wahrscheinlich
war der Hydraulik-Druck zu niedrig, um die Kupplungsscheiben auf Distanz
zu halten. Darauf hat der Fahrer aber keinen Einfluss. Möglich
ist auch ein Fehler in der sensiblen elektronischen Steuerung des
Higtech-Bauteils der Hersteller-Firma AP (Automotive Products).
Ein Potentiometer (mechanischer Spannungsfühler) meldet die
Stellung des Kupplungshebels an eine "black box" im Auto.
Die Elektronik gibt dann der Hydraulikpumpe das "Kommando",
den entsprechenden Druck auf die Scheiben zu erzeugen. Bei über
700 PS wirken gewaltige Kräfte auf das Verbindungselement zwischen
Motor und Getriebe. Bei der Fehleranalyse für den Defekt wird
jedes Bauteil in alle seine Bestandteile zerlegt.
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In den Formel-1-Boliden von
Ferrari, McLaren, Jordan und Sauber arbeiten Hochleistungskupplungen
der Firma Sachs aus dem deutschen Schweinfurt. Mit der jüngsten
Generation von Carbon-Kupplungen für die Formel 1 hat Sachs Race
Engineering eindrucksvoll seine Kompetenz auf diesem Gebiet unter
Beweis gestellt.
Sachs Formel 1-Kupplungen sind die kleinsten, leichtesten und leistungsfähigsten
der Welt. Nur noch 860 Gramm wiegt das Meisterstück aus der
"Kupplungs-Schmiede" von Sachs. Die Ausrückkraft
beträgt für den Piloten komfortable 2800 N. 18.000 Umdrehungen
pro Minute, 500 Nm und Temperaturen von über 1000 Grad bilden
dabei in erster Linie das Anforderungsprofil. Carbon-Technologie
und Titan machen diesen Fortschritt möglich. Dazu das Know-how
der erfahrenen Spezialisten.
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Aber auch die Qualität der völlig
neu entwickelten, revolutionären Sachs Formula-Dämpfer hat
in der Formel 1 schon neue Maßstäbe gesetzt. Diese, aus
Titan-Aluminium gefertigten High-Tech-Dämpfer, wiegen pro Stück
nur noch 315 Gramm. Zum Vergleich. Der Standard in der Formel 1 beträgt
mehr als 0,5 Kilo. |
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Das Monocoque hat sich schon
oft als Lebensversicherung für Formel-1-Piloten bewährt.
McLaren baute 1984 erstmals eine Sicherheitszelle aus Kohlefaser-Verbundstoff
in die Rennwagen ein; vorher bestand das röhrenförmige Bauteil
aus Aluminium. Die nur 35 bis 40 Kilo schweren Kohlefaser-Monocoques
werden bei enormen Drücken und Temperaturen in Spezialöfen
geformt und "gebacken". Eine "Überlebenszelle"
beginnt vorn mit dem Pedalraum und nimmt hinten noch den Spezialtank
auf.
Ein Monocoque wird vor dem Einsatz zahlreichen dynamischen und
statischen Crashtests unterzogen, unter anderen von vorn, seitlich,
an unteren Aufhängungspunkten und an beiden Überrollbügeln.
Der obligatorische Seiten-Crashtest wurde 1998 noch einmal verschärft:
Die Zelle muss einem Gewicht von 780 Kilo bei 7 m/s standhalten.
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Fast alle Teams "brennen" ihre
Monocoques heute im eigenen Werk. Kostete eine Sicherheitszelle vor
Jahren noch rund 200 000 Mark, müssen heute zwischen 50 000 und
100 000 Mark veranschlagt werden. Sicherheit hat ihren Preis, ist
aber nicht garantiert: Als sich Michael Schumacher 1998 bei Testfahrten
in Magny-Cours mit seinem Ferrari überschlug, brach die Sicherheitszelle. |
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Das bestgehütete Geheimnis jedes
Teams ist der Motor. Seit 1995 ist der Hubraum auf drei Liter begrenzt.
Eine Turbo- Aufladung und ein "intelligentes" elektronisches
Motormanagement, das die Steuerung je nach Rennsituation ständig
neu programmiert, sind verboten. Die Leistung der Zehnzylinder liegt
zwischen 760 und 835 PS. Er kommt auf bis zu 18.000 Umdrehungen in
der Minute. Offizielle Angaben machen die Teams allerdings branchenüblich
nicht. Jedes Einzelteil wird genauestens auf Schadhaftigkeit geprüft
und nachgemessen. Gewichtsreduzierung ist auch hier das Zauberwort. |
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Den Motorherstellern gelingt pro Jahr
eine maximale Verringerung des Gewichts um drei Prozent. Die Firma
Mahle aus Deutschland stellt für verschiedene Teams die speziellen
Motorkolben her. Erst wenn die Simulationen positiv verlaufen sind,
werden die ersten Testkolben hergestellt. Auf den Prüfständen
werden die Rennstrecken simuliert. So können Motordaten unter
verschiedenen Belastungsbedingungen gewonnenen werden.
Ein moderner Formel-1-Motor ist ein Wunderwerk der Technik. Aus
fast 6.000 Einzelteilen besteht ein High-Tech-Triebwerk, rund 1.000
Komponenten sind gleicher Bauart. Die Zehnzylinder der Spitzenteams
werden ständig weiterentwickelt, so dass es eigentlich keinen
"neuen" Motor gibt. Rund 250.000 Mark kostet ein konkurrenzfähiges
Aggregat; darin sind die Entwicklungskosten noch nicht einmal eingeschlossen.
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Der McLaren Motor von Mercedes
galt in der der Saison 1999 als das stärkste, sparsamste und
leichteste Triebwerk. Mit geschätzten 820 PS treibt er die Boliden
voran, wiegt nur 109 Kilo und verbraucht bei Spitzendrehzahlen von
gut 17.500 U/min zwischen 62 und 65 Liter bleifreies Benzin pro Stunde.
Mit diesem Motor stellte der Finne Mika Häkkinen 1999 in Monza
mit 354,04 km/h einen neuen Geschwindigkeits-"Weltrekord"
für die Formel 1 auf.
Die technischen Daten im Überblick:
Kraftstoffverbrauch: rund 60 Liter pro Stunde.
Beschleunigung: in 2,8 Sekunden von 0 auf 100.
Abbremszeit: bei 110 Stundenkilometern 2 Sekunden.
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Das Zauberwort lautet nicht
Telepathie, sondern Telemetrie. Mit Hilfe modernster Technologie zur
Datenerfassung werden die "Gedanken" eines Formel 1-Autos
während der Fahrt gemessen und noch im Rennen an das Boxenteam
übertragen. Der Hintergrund: Für eine perfekte Leistung
auf der Strecke wollen Techniker und Fahrer am liebsten jeden Millimeter
der Fahrbahn analysieren. Jede Kurve, jede Gerade, jede Bodenwelle,
alle Drücke, Temperaturen und andere Zustände in Motor,
Getriebe und weiteren Aggregaten, Fahrwerksbewegungen, Neigungswinkel
und viele weitere messbare Größen werden akribisch erfasst. |
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Eine Vielzahl von Manometern für
Drücke, Thermometern für Temperaturen und Potentiometern
zur Messung kinetischer Energie liefern Runde um Runde eine große
Datenmenge an die Box.
Per Funksignal werden die gemessenen Werte weitergeleitet
allerdings nur einmal pro Runde. Lediglich bei Start und Ziel funktioniert
der Funk nämlich perfekt. Bei einer zeitgleichen Übertragung
während der Fahrt hingegen wären durch räumliche
Hindernisse Unterbrechungen zu befürchten. Die Datenautobahn
ist allerdings eine gigantische Einbahnstraße vom Auto an
die Boxen. Wäre es möglich, Daten in das Auto einzuspeisen,
so bestünde die Gefahr einer Manipulation befürchtet
die oberste Motorsportbehörde FIA. Eine Datenübertragung
vom Team zum Auto ist somit verboten.
Eine ganze Mannschaft von Ingenieuren beobachtet alle Kurven und
Diagramme auf dem Bildschirm. Auch Dr. Anthony Harlow, der technische
Verantwortliche des Motorsportprogramms von Mobil, erhält Einblick
in die Tiefen des McLaren-Mercedes MP4-15.
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Mobil ist nämlich nicht nur der Lieferant
der Schmier- und Treibstoffe für das Formel 1-Auto, sondern als
Technologie-Partner von McLaren Mercedes aktiv am Fortschritt des
Projekts beteiligt. Konkret heißt dies, dass Mobil nicht nur
über Temperaturen und Drücke und damit über den "Gesundheitszustand"
des V10-Motors von Mercedes mit dem Kürzel F0 110J informiert
wird: Anthony Harlow spielt eine aktive Rolle bei der Analyse des
Zustands der Technik. Mehrfach entnimmt er an jedem Rennwochenende
Proben des vollsynthetischen Schmierstoffs aus dem Motor, um sie zu
untersuchen. Tony Harlow ist mit aufwendigen Analyseinstrumenten vor
Ort, um die Mobil Produkte zu kontrollieren. |
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Dabei nimmt Mobil auch eine Kontrollfunktion
der allgemeinen Technik wahr, von der das gesamte Team profitiert:
Erkennt Dr. Harlow bei seinen Analysen auffällige Spuren oder
ungewöhnliche Konzentrationen fremder Stoffe, so wird das Team
unverzüglich über mögliche Toleranzüberschreitungen
oder Schäden des V10-Triebwerks informiert.
Metallische Spuren lassen Rückschlüsse auf den Abrieb
verschiedener Einzelteile im Motor zu. Ein überdurchschnittlicher
Verschleiß am Kolbenring oder an verschiedenen Lagerstellen
bewegter Teile lässt sich somit exakt und frühzeitig diagnostizieren.
Damit profitieren Mika Häkkinen und David Coulthard an jedem
Rennwochenende von vielen Facetten der Mobil 1-Technologie.
Die detaillierte Überwachung des Autos auf der Strecke besitzt
den Vorteil, den Fahrer vor unliebsamen Überraschungen zu beschützen
und subjektive Eindrücke technisch zu unterfüttern. Vorbei
sind allerdings die Zeiten, da ein Pilot jeden Verdacht von sich
lenken konnte. Fahr- und Bedienungsfehler werden im Zeitalter der
Hochtechnologie offensichtlicher denn je.
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Die Länge des Radstandes
spielt bei den Bemühungen der Formel-1-Konstrukteure, die Rennwagen
noch schneller und konkurrenzfähiger zu machen, derzeit eine
Hauptrolle. Der Abstand zwischen Vorder- und Hinterreifen ist eines
der wenigen technischen Merkmale, für das im Reglement keine
Begrenzungen und Vorgaben gelten. Während beispielsweise Breite,
Flügelgröße, Cockpitmaße oder Bodenabstand klar
definiert sind, haben die Konstrukteure bei der Länge des Radstandes
freie Hand.
Die Länge des Radstandes hat viele Einflüsse auf einen
Rennwagen. Sie wirkt sich auf die Aerodynamik aus und beeinflusst
die Gewichtsverteilung und damit auch die Balance und Bodenhaftung
(Grip). Verlagern die Konstrukteure mehr Gewicht auf die Hinterachse,
kann durch den dadurch erzielten besseren Grip der Hinterreifen
eventuelles Übersteuern beseitigt bzw. verringert werden. Bei
der Vorderachse ist der Fall ähnlich, aber etwas komplizierter.
Im Gegensatz zu den Hinterreifen ist die Breite der Vorderreifen
innerhalb bestimmter Grenzen variabel. Durch einen breiteren Vorderreifen
kann automatisch mehr mechanische Haftung erzielt werden, was im
Extremfall Korrekturen der Radstandslänge erfordern würde.
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Veränderungen des Radstandes
sind - abgesehen von der optimalen Umsetzung der Millionen technischer
Daten - auch deshalb kompliziert, weil hier nicht einfach ein Teil
verstellt, verlagert oder ausgetauscht werden kann. Die Konstrukteure
müssen Zwischenstücke bauen. Normalerweise setzen die Techniker
ein Teil zwischen Getriebe und Motor ein.
McLaren-Mercedes hat mit 3,10 Metern den längsten Radstand
aller Teams. Durch die Dominanz der Silberpfeile aufgeschreckt,
fanden "Spione" der Konkurrenz anhand von Fotos und Markierungen
in den Boxen für die Tankstopps heraus, dass Vorder- und Hinterreifen
der McLaren wesentlich weiter auseinanderliegen als bei den anderen
Boliden. Jordan zog als erster Rennstall nach und verlängerte
seinen Radstand um 10 Zentimeter. Prost plant mit 17 Zentimetern
den größten Einschub. Bei den anderen Teams beträgt
die Verlängerung zwischen fünf und 15 Zentimeter.
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Ferrari testete 1998 in Monza erstmals
einen F300 mit einem längeren Radstand. Michael Schumachers Team
hatte um 13 Zentimeter verlängert. Beim Großen Preis von
Österreich 1998 in Spielberg verzichteten die Italiener auf die
Neuentwicklung. Eine Woche später in Hockenheim fuhr Schumacher
seinen Heim-Grand-Prix in einem "langen" F300. "Der
längere Radstand bringt nicht auf jeder Strecke etwas. Das ist
nicht das Ei des Kolumbus", relativierte der dreifache Weltmeister
die Wirkung des neuen Techniktrends. |
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Er ist einer der wichtigsten Bestandteile jedes modernen Formel-1-Autos,
dennoch bekommen ihn die meisten Leute höchstens dann zu sehen,
wenn sich ein Rennwagen überschlägt oder mit einem Kran
von der Strecke gehoben wird.
Der Unterboden, ein Teil, das von Darren Davis, Aerodynamik-Chef
bei Jaguar Racing, als wichtigste Komponente des gesamten Aerodynamik-Pakets
bezeichnet wird.
Im ersten Moment ist es schwer nachvollziehbar, dass so etwas elementares
wie der Unterboden dermaßen wichtig sein soll. Da ist zum
einen das Reglement, das vorschreibt, dass der Unterboden total
flach sein muss. Dann die 10 mm starke Holzplanke, die sich über
die ganze Fahrzeuglänge hinzieht und die dafür sorgen
soll, dass der Unterboden der Fahrbahn nicht zu nahe kommt und so
einen zusätzlichen aerodynamischen Effekt produziert.
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Am Areal zwischen den Hinterrädern
darf jedoch gearbeitet werden. Hier kann durch den Diffusor zusätzlicher
Grip gewonnen werden. Durch den Diffusor entweicht die Luft, die zuvor
unter dem Fahrzeugboden entlang geflossen ist. Er besteht aus einer
Reihe von Röhren, die sich bis auf die Höhe der Hinterachse
empor schwingen.
Den Grip produziert er, indem er dafür sorgt, dass die unter
dem Auto entlang fließende Luft beschleunigt wird, wenn sie
das Heck erreicht und durch den Diffusor unter dem Auto hervor gesaugt
wird. Was zur Folge hat, dass das Auto sich an die Strecke saugt.
Im Verlauf der aerodynamischen Entwicklung ist die Rolle des Unterbodens
in Verbindung mit Front- und Heckflügeln immer wichtiger geworden.
"Die aerodynamischen Komponenten der F1-Autos sind heute so
eng miteinander verbunden, dass die Leistung einer Komponente einen
unvermeidbaren Effekt auf die anderen hat", sagt Darren.
"Du kannst ein Problem im Bereich des Unterbodens haben, für
das aber auch Front- oder Heckflügel verantwortlich sein können.
Andererseits arbeiten die Flügel auch nicht wie geplant, wenn
der Unterboden nicht gut ist."
"Wenn wir beispielsweise den Unterboden des zweifellos gut
funktionierenden McLaren an unser Auto schrauben würden, wäre
nicht garantiert, dass das funktioniert obwohl die Unterschiede
wahrscheinlich minimal wirken werden."
Dieses Problem wurde in der Vergangenheit dadurch verschärft,
dass es schwierig war, den Luftfluss unter dem Auto nachzuvollziehen.
Dennoch schreitet die Entwicklung in einem solchen Tempo voran,
dass der Unterboden eines Autos von 1995 an einem Auto von heute
völlig deplaziert wäre.
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Diese Entwicklung wurde durch die verbesserten
Computer ermöglicht, die es Darren erlauben, den Luftfluss unter
dem Auto am Computer im Modell nach zu stellen. "In vielen Bereichen
mussten wir erkennen, dass die Dinge, die wir vor einigen Jahren gemacht
haben, nicht funktionieren konnten", sagt er. "Du musst
deine Ansichten ständig korrigieren. Wir werden ständig
aufs neue überrascht."
Die Entwicklung hat sich mittlerweile so beschleunigt, dass Jaguar
Racing im Verlauf der Saison den Unterboden oder zumindest den Diffusor
dreimal überarbeiten muss.
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Der in Ungarn benutzte Unterboden unterscheidet
sich z. B. sehr stark von dem für Hockenheim. Auf Strecken, auf
denen mit größeren Flügeln gefahren wird, muss der
Diffusor in Richtung maximale Downforce abgestimmt werden. Das liegt
daran, dass der relativ hohe Abtrieb, der von den Flügeln produziert
wird, dazu führt, dass die Highspeed-Stabilität kein Problem
ist.
Da der Unterboden so wichtig ist, setzt Jaguar Racing eine Menge
Ressourcen ein, um sicher zu stellen, dass er auch den Anforderungen
entspricht. Designer sorgen dafür, dass er zum Gesamtpaket
passt, Aerodynamiker tun das ihre, damit er wie geplant funktioniert,
dazu kommen Modellbauer, CFD-Spezialisten und die Ressourcen, die
Jaguar Racings Muttergesellschaft Ford zur Verfügung stellt,
um dem Team zu helfen. Insgesamt arbeiten 25 Menschen am Unterboden.
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Bodenfreiheit
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Im ruhenden Zustand beträgt die Bodenfreiheit eines Formel-1-Rennwagens
durchschnittlich 55 Millimeter.
Doch für den Kurs in Spa-Francorchamps mit seinen superschnellen
Kurven gelten andere Gesetze: Die Bodenfreiheit wird um zehn auf
65 Millimeter erhöht - mehr Luft unter den Autos ist auf keiner
anderen Formel-1-Strecke.
Auf dem Ardennenkurs in Spa müssen die Boliden vor allem deshalb
"höhergelegt" werden, damit sie in den Tempo-300-Kurven
wie Eau Rouge und Blanchimont nicht aufsetzen. Bodenkontakt des
Chassis würde dort katastrophale Folgen haben: Reißt
der gewaltige Luftstrom am Unterboden plötzlich ab, würde
der berüchtigte "Stall"-Effekt eintreten, ein Phänomen,
das vor allem aus der Luftfahrt bekannt ist. Übertragen auf
die Formel 1: Der Abtrieb (Anpressdruck) fällt total ab. Die
Folgen: In den Kurven sind die Autos instabil oder sogar unbeherrschbar
- im schlimmsten Fall "fliegen" sie ab.
Die Bodenfreiheit wird am Fahrwerk vor allem über die Federn
und die so genannten Anschlagdämpfer aus Gummi ("Bumprubber")
verstellt. In schnellen, lang gezogenen Kurven treten Fliehkräfte
auf, die bis zu 4 g (Vierfaches der normalen Erdanziehung) erreichen.
In der Senke vor der Eau Rouge ist ein 600-Kilo-Rennauto bei knapp
300 km/h dadurch fast 2,5 Tonnen schwer.
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Regen bringt Segen - in der Formel dagegen
Hektik. Die Abstimmung (engl.: Setup) der Rennwagen muss im Vergleich
zu trockenen Bedingungen, Wärme und Sonnenschein komplett modifiziert
werden. Und dies möglichst im Eiltempo: In rund 15 Minuten bewältigen
die Top-Teams einen Umbau von "trocken" auf "nass".
Das wichtigste dabei ist, eine maximale Bodenhaftung (Abtrieb) zu
erreichen. Die Autos fahren dann mit "viel Flügel",
werden - bei Geschwindigkeitseinbußen - stärker auf die
Straße gepreßt.
Auch die Motor-Elektronik wird anders programmiert. Um das Durchdrehen
der Räder bei Nässe zu verhindern, kappt man dem Triebwerk
die Leistungsspitzen. Für jede Streckenbedingung gibt es bestimmte
Kennfelder ("Motor-Mapping"), bei Regen verringert man
das Drehmoment und wählt beim Ansprechverhalten des Motors
eine "Soft- Variante".
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Als Folge müssen auch Dämpfer,
Stabilisatoren und Federn weicher abgestimmt werden. Weil das Auto,
u.a. durch längere Federwege, vertikal stärker schwingt,
muss die Bodenfreiheit erhöht werden. Dies gilt auch für
den Reifendruck, denn bei Regen ist es meist auch kälter. Die
Luft in den schlauchlosen Reifen dehnt sich weniger aus, weil die
Pneus nicht ihre optimale Betriebstemperatur erreichen.
Aquaplaning ist auch in der Formel 1 ein Reizwort. Die stark profilierten
Pneus sollen auch bei Nässe sichere Runden bei Tempo 300 ermöglichen.
Bei Wolkenbrüchen helfen dann auch die Rillen nicht mehr, obwohl
ein einziger Regenreifen pro Sekunde 26 Liter Wasser "wegschaufeln"
kann.
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Die richtige Reifenwahl kann über
Sieg und Niederlage entscheiden, wobei die Felgen nicht minder wichtig
sind. Über die Jahre sind die Felgen deutlich weiterentwickelt
worden. BBS, die sechs Formel-1-Teams mit Felgen ausstatten, haben
sich in dieser Beziehung einen Ruf als Pionier erarbeitet. Felgenhersteller
BBS führte als erste geschmiedete Magnesium-Felgen ein, sorgte
damit für eine Einsparung von rund vier Kilo je Rad.
Ein aktuelles Rad eines Formel-1-Boliden wiegt - inklusive Reifen
durchschnittlich 14 Kilogramm, und macht damit acht Prozent
des Gesamtgewichts des Rennwagen aus. 40 Sätze Felgen und Reifen
werden für ein Rennteam pro Grand-Prix benötigt.
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Wie die meisten Teile eines Formel-1-Autos
haben auch die Felgen eine begrenzte Lebensdauer. Rund 2000 Kilometer
werden sie vom Rennteam eingesetzt, anschließend folgen weitere
1000 Kilometer beim Testteam. Eine Felge schlägt dabei mit 1.800,-
Mark zu Buche. |
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Diese Felgen genießen
ein extrem hohes Maß an Aufmerksamkeit der Techniker. Nach der
Anlieferung werden als erstes die Ventile ausgebaut und überprüft.
Als nächstes bringt das Team eigene Sicherungsstifte an. Jedes
Rad wir mittels einer einzigen Mutter, die rund 300 Mark kostet,
auf der Nabe verschraubt. Damit diese Mutter sich unter den extremen
Belastungen nicht von selbst löst, ist sie von Kugellagern
umgeben, die von Federn in Position gedrückt werden und so
verhindern, dass die Mutter sich selbstständig löst.
Bedenkt man, dass die Felgen aus einem Stück gegossen sind
und die Teams alle Details aufs penibelste überprüfen,
fragt man sich: "Wie kann da noch was schief gehen?" Ganz
einfach: Da so viele Reifen in der Box gelagert sind, kann es schon
einmal dazu kommen, das Reifen durcheinander gebracht werden.
Vor dem Qualifikationstraining müssen sich die Teams für
die harte oder die weiche Mischung entscheiden und für den
Rest des Wochenendes an dieser Wahl festhalten. Um sicher zu stellen,
dass nicht betrogen werden kann, wird von Bridgestone jeder Reifen
an der Außenseite mit einem Code versehen.
Da alle Teams bei der Konkurrenz spionieren, wird ein Großteil
der sichtbaren Zahlen entfernt, damit niemand sehen kann, welche
Mischung das jeweilige Team verwendet. Zum Erkennen der Reifen markieren
die Teams mit einem eigenen Codestreifen. Die Felgen haben ebenfalls
einen Code, damit der Lagerist erkennen kann, wann sie das Ende
ihrer Lebensdauer erreicht haben. Durch das Überprüfen
von Reifen- und Felgencode ist es möglich, jedes Rad genau
zu identifizieren.
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Das ist von größter
Wichtigkeit, da sich der Luftdruck der Reifen unterscheidet
je nachdem, auf welcher Seite des Autos sie eingesetzt werden sollen.
In Spanien fuhr Jaguar-Pilot Eddie Irvine beispielsweise mit 17,5
PSI auf der linken Seite und 19 PSI rechts. Der Grund dafür sind
die drei schnellen Rechtskurven von Barcelona, durch welche die linke
Seite des Autos höheren Belastungen ausgesetzt ist. Die linken
Reifen werden stärker erhitzt, ihr Druck steigt und das Verhältnis
ist wieder ausgeglichen.
Doch nicht immer läuft alles so, wie es die Teams gerne hätten.
Sowohl bei Coulthard als auch bei Villeneuve wurden Räder auf
der falschen Seite installiert. Neben dem falschen Luftdruck bedeutete
das auch noch, dass die Räder sich entgegengesetzt der geplanten
Richtung drehten. Und wenn das Profil nur für eine bestimmte
Laufrichtung gedacht ist, kann so ein Fehler dazu führen, dass
ein Auto unfahrbar wird.
Für die meisten Piloten sind die Reifen ein wichtiges Thema.
Die richtige Entscheidung gibt einem gut ausbalancierten Auto den
entscheidenden Touch, triffst du die falsche Wahl, fährst du
möglicherweise hoffnungslos hinterher.
Die heutigen Autos reagieren so sensibel auf Veränderungen
ihrer Reifen, dass der falsche Pneu oder sogar schon ein veränderter
Reifendruck dazu führen kann, das die ganze Abstimmungsarbeit
des Teams umsonst war.
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Ein wichtiger Faktor für
die Leistungsfähigkeit der Reifen ist die Mischung. Jede Mischung
besteht aus vier Komponenten: Gummi, Karbon, Öl und Schwefel.
Zu welchem Prozentsatz welcher Bestandteil eingesetzt wird, hängt
davon ab, wie viel Stärke, Festigkeit und Haftung der Reifen
bieten soll. Melanie Holmes von Bridgestone erklärt: "Das
ist genauso, als ob man einen feuchten und klebrigen oder einen trockenen
und krümeligen Kuchen backen wolle."
Doch die Fahrer müssen sich nicht nur für die richtige
Mischung entscheiden, auch der Reifendruck muss stimmen. Weil der
Druck konstant bleiben muss, ist die zur Reifenfüllung verwendete
Luft behandelt. Normale Luft enthält Wasser, doch dieses führt
zu Veränderung des Drucks bei unterschiedlichen Temperaturen.
Deshalb wird die Reifenluft vor ihrer Verwendung durch Flüssigkeitsfilter
geleitet und entwässert.
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Da die Reifen für die
Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit eines Rennwagen so entscheidende
Bedeutung haben, hat die FIA vor einigen Jahren entschieden, die Auflagefläche
mittels vier Rillen zu reduzieren. Diese 4 Rillen sind 14 mm breit,
2,5 mm tief und 40 mm voneinander entfernt, die Auflagefläche
wurde auf diese Weise um 20 Prozent verringert. Das hat die Autos
langsamer gemacht oder zumindest verhindert, dass sie deutlich schneller
wurden.
In dieser Saison gibt es vier verschiedene Trockenreifen: hart,
medium, soft und extra-soft, daneben gibt es noch die Regenmischungen
hart und soft.
Die Entscheidung, welche Reifenmischung zu welchem Rennen mitgenommen
werden, trifft der Reifenhersteller. Spa, Silverstone und Barcelona
beispielsweise gelten als reifenmordend, deshalb werden dort härtere
Reifen eingesetzt, die aber dennoch bereits nach 150 km schwere
Abnutzungserscheinungen aufweisen. In Kanada dagegen kann eine Soft-Mischung
doppelt so lange halten.
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Für die Testfahrer ist
jede Runde eine körperliche Strapaze. Die Fliehkräfte bedeuten
für die Nackenmuskeln, dass sie in einer Kurve, die mit Tempo
200 passiert wird, 30 Kilogramm halten müssen. Eine Vollbremsung
verlangt einen Kraftaufwand der Beine von je 80 Kilogramm. Bei Tempo
200 müssen 40 Kilogramm aufgebracht werden, um die Räder
einzuschlagen.
Die Testrunden dienen auch der Datengewinnung. Drei verschiedene
Computersysteme sind in jedes Auto integriert, und mehrere Kilometer
Kabel verlegt.
Bei jedem Überfahren der Ziellinie werden Datenpakete von
mehreren Hundert Kilobyte verschickt. In der Box werden vom On-Board-Speicher
werden etwa 40 Megabyte ausgelesen und vor Ort analysiert. Jede
Handlung des Fahrers und das komplette Fahrzeugverhalten kann so
nachvollzogen werden.
Gewonnen werden die Telemetriedaten mit Hunderten von Sensoren
am Wagen. Das wichtigste und technisch aufwendigste ist das dritte
Computersystem: Es funkt die Daten in Echtzeit an die Box, und zur
Teamzentrale.
Die Daten werden an die Zulieferer zurückgegeben, die ihre
Bauteile damit entsprechend optimieren können. Dann folgt der
nächste Versuchszyklus. Doch nicht alles kann auf den Motorprüfständen
oder in Computern realistisch simuliert werden. So z.B. der Luftdruck
in den Motor. Die erhöhte Luftzufuhr während des Rennens
in die Maschine bewirkt eine Leistungssteigerung von bis zu 30 PS.
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Das Safety Car (Sicherheitsfahrzeug)
wird auf die Strecke geschickt, "wenn eine unmittelbare Gefahr
besteht, die Umstände aber keinen Rennabbruch erforderlich machen".
So schreibt es das Reglement des Internationalen Automobil-Verbandes
(FIA) vor. Ein Grand Prix kann allerdings auch hinter dem Safety Car
gestartet und sogar hinter ihm beendet werden.
Wenn der Rennleiter rund um den Kurs "SC" signalisiert,
setzt sich das Sicherheitsfahrzeug vor das führende Auto. Danach
herrscht Überholverbot im gesamten Fahrerfeld.
Rennautos, die plötzlich zwischen das Safety Car und den Spitzenreiter
geraten, werden vorbei gewunken und müssen sich ganz hinten
"anstellen". Das gilt auch für diejenigen, die in
dieser Phase zum Service an die Box fahren. Aus renntaktischen Gründen
kann dies allerdings durchaus von Vorteil sein.
Vor allem nach Unfällen wird das 23. Auto im Feld auf die
Strecke gerufen. Während Trümmer und Wracks beseitigt
werden, sind die Autos gewarnt und können die Gefahrenstelle
ohne unnötiges Risiko passieren. Das Feld wird in dieser Zeit
geordnet, die hinteren Fahrzeuge können aufschließen.
Die Führenden büßen allerdings oft wertvollen Vorsprung
ein. Eine Runde, bevor das Safety Car wieder in die Boxengasse einschert,
erhalten die Piloten ein Signal. Danach geht es mit fliegendem Start
weiter; die neutralisierten Runden werden mitgezählt.
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Offizielles Safety Car ist
in der aktuellen Formel-1-Saison der Mercedes CL 55 AMG. Sein Achtzylinder-Triebwerk
leistet 360 PS und beschleunigt das Coupe in nur sechs Sekunden von
null auf 100. Auf einigen Rennstrecken erreicht selbst das Sicherheitsfahrzeug
Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 280 km/h. Erstmals in der Formel-1-Geschichte
ist der Fahrer des Safety Cars ein Deutscher: Bernd Mayländer,
der den Engländer Oliver Gavin ablöste, sammelte zuvor vor
allem im Tourenwagen- und GT-Sport Erfahrungen. |
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In der Jaguar Racing-Teamzentrale in Milton
Keynes geht es an diesem Abend zu wie auf einer Hauptpost kurz vor
Weihnachten. Wie am Fließband passieren Kisten und Pakete die
Halle, für den Beobachter von außen scheinbar planlos.
Wenn dem so wäre, dann wäre man nicht bei einem ambitionierten
Formel-1 -Rennstall und man wäre nicht im Reich von Teammanager
Dave Stubbs. Und Stubbs wäre nicht so ruhig. Der große
Becher Tee ist obligatorisch. Nicht weil er Engländer ist. Sondern
weil alles so läuft, wie er das geplant hat. Abwarten -und Tee
trinken.
Einer muss in der allgemeinen Hektik - in der Formel 1 kommt es
nicht nur bei den Rennwagen auf Perfektion und Schnelligkeit an
- den Überblick behalten. Stubbs ist wie geschaffen für
die verantwortungsvolle Position. Ein Dirigent ohne Taktstock. Mit
Verständnis, wo es angebracht und leistungsfördernd ist;
mit Härte, wo sie die Sache notwendig macht; mit Gelassenheit,
wo sie mehr bringt als purer Aktionismus, mit Talent und Überlegung,
wo manch anderer nicht weiter kommt. Stubbs ist anerkannt - Kraft
seines Amtes, vor allem aber: Kraft seiner Persönlichkeit.
Logistik hat viel mit Logik zu tun. Vor allem, wenn man ein komplettes
Formel-1-Team um die ganze Welt zu transportieren hat. Dave Stubbs,
der Teammanager des Jaguar-Rennstalls, denkt logistisch und spricht
logisch: "Meine Arbeit ist nicht schwierig, sie ist komplex."
Es ehrt Mister Stubbs, dass er sein Licht unter den Scheffel stellt,
aber gerade das Komplexe ist es, dass die Formel 1 so schwierig
macht - auf und neben der Strecke. Insbesondere, wenn man dafür
verantwortlich ist, dass alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort
ist. Miles and more.
Die Formel 1-Karawane steuert innerhalb von acht Monaten 17 verschiedene
Orte auf vier Erdteilen an. Für insgesamt 4958 Kilometer Rennen
und etliche Testfahrten muss das Jaguar-Team an die 150.000 Kilometer
im Jahr auf Straßen, Fähren und in Flugzeugen zurück
legen. Manche Leute bekommen ja schon graue Haare, wenn sie für
ein verlängertes Wochenende packen müssen. Die meiste
Arbeit für Dave Stubbs erfordern die interkontinentalen Sprünge.
Für die Teams ein Rennen zwischen den Rennen. Daraus ergibt
sich, dass tollkühne Männer mit fliegenden Kisten sich
in der Formel 1 nicht nur auf der Rennstrecke finden. Es sind die
Logistiker der Teams, ohne deren Tricks und Künste kein Übersee-Rennen
stattfinden könnte. Schließlich ist neben der absoluten
Zuverlässigkeit beim Interkontinental-Verkehr auch Improvisation
vonnöten. Die gigantischen Trucks und die ebenso stattlichen
Motorhomes, die während der europäischen Saison für
ein komfortables Zuhause an den Rennstrecken sorgen, können
nicht mit auf andere Kontinente genommen werden.
Die Mammut-Transporte funktionieren streng nach Checkliste. Eine
Liste, die mehr einem Katalog gleicht. Insgesamt gehen an die 20
Tonnen Ladung mit auf die Reise, fein säuberlich in 70 für
den Jumbo-Jet maßgeschneiderten Containern verstaut. Bei der
Packliste gilt: So viel wie möglich, so wenig wie nötig.
Ein permanenter Balanceakt. Immer dabei sind drei Rennwagen, alle
Ersatzteile in bis zu sechsfacher Ausfertigung, eine fast komplette
Werkstatt inklusive Staubsauger und Kaffeemaschine. Grüne Tischdecken,
grüne Sonnenschirme.
Nicht nur die technischen Voraussetzungen, auch das Erscheinungsbild
von Jaguar Racing hat immer zu stimmen. Wie er das stets hinkriegt,
fragt Stubbs keiner. Aber dass er es irgendwie schafft, darauf können
sich alle verlassen. Bis zu 8000 Einzelteile gehen mit, mit dem
Packen sind ein Dutzend Leute fast zwei Tage beschäftigt. Im
Jaguar-Quartier geht es dann zu wie bei einem großen Puzzle.
Mit einer ungeahnten Teilchenbeschleunigung.
Irgendwas wird immer eingepackt unter Stubbs Aufsicht. Er hat mehrere
Assistenten, aber am Ende wirft er immer noch persönlich einen
letzten, prüfenden Blick auf die Frachtpapiere. Er und seine
Mannen sind permanent in Bewegung. Da ist das Testteam, das nach
seinem eigenen Fahrplan operiert. Dann kommt dienstags die Renncrew
aus Monza zurück, es bleiben kaum drei Tage, bis wieder alles
am Londoner Flughafen Heathrow sein muss, wo die ganze Formel 1
als Sammelgepäck zum Nordamerika-Gastspiel verladen wird. Nach
einem engen, strengen Zeitplan. Sind die USA-Reisenden wieder da,
geht das ganze in der gleichen kurzen Zeit auf die andere Seite
der Erdkugel. "Man muss seine Hausaufgaben gemacht haben",
sagt Dave Stubbs. Und der Gelassenheit, mit der er das ausspricht,
ist zu entnehmen, dass er sich seiner sicher ist. Er hat bestimmt
alles ein, zwei - vermutlich sogar drei Mal gecheckt.
Und wenn doch etwas fehlt, ein ungewöhnlicher Wunsch des Teams
vor Ort erfüllt werden muss? Kein Problem, meint Stubbs, dann
werde es eben besorgt. Er stehe das ganze Jahr über mit den
Schlüsselfiguren an den jeweiligen Rennstrecken in Kontakt.
Sauberes Trinkwasser in Malaysia, Telefonanschlüsse in Japan,
Mehrfachsteckdosen mit Adaptern für die Vereinigten Staaten
- wie gesagt, no problem. Alles auf einer Liste oder in seinem Kopf.
Und wenn der Wunsch ausgefallener ist oder der Zeitdruck enorm,
dann helfe es, dass er die Kollegen an den Rennstrecken seit langem
kenne. Er ist schließlich immer mit vor Ort, Tests inklusive.
Ein Jahr im voraus beginnen die Planungen im Büro von Dave
Stubbs. Flüge und Hotelzimmer buchen, Miet- und Lieferwagen
reservieren, elektrisches Equipment - beispielsweise Eismaschinen
zur zusätzlichen Motorenkühlung -ordern. "Nebenher"
trägt er noch die personelle Verantwortung für 75 Teammitglieder,
dazu die 30 des Renn- und die 24 des Testteams. Ein anspruchsvoller
Job, bei einem Team, das sich wie Jaguar Pacing noch auf dem Sprung
nach oben befindet. Einer, bei dem Erfahrung, Menschenkenntnis,
Genauigkeit gefragt ist - all' das, was Stubbs verkörpert.
Die Formel-1 -Karriere von Dave Stubbs begann der heute 44-Jährige
im Jahr 1978 als Buchhalter beim neu gegründeten Williams-Rennstall.
Als Mann der ersten Stunde hat er so ziemlich jeden Job im Team
bekleidet, inklusive den des Lastwagenfahrers. Die perfekte Rundumausbildung
für den Transportfachmann also, der er heute ist. 1985 übernahm
er dann das Amt des Teammanagers bei Williams. 1989 wechselte er
zum Traditionsrennstall Brabham, um sich dann von 1990 an um das
Stewart-Formel-3000-Team zu kümmern. Aus dem wurde schließlich
1996 ein Formel-1-Rennstall - und wieder war die Erfahrung von Dave
Stubbs gefragt. Eine eigene Familie hat er auch noch zu managen,
die Kinder sind sieben und neun Jahre alt. Wer die Koffer packt,
wenn es nach der Saison in den verdienten Urlaub geht? Stubbs ist
es vom Gesicht abzulesen, dass diese Frage wohl nicht ernst gemeint
sein kann. Ein geborener Logistiker verlässt sich immer nur
auf eins - sich selbst. Zum USA-Gastspiel reist er sicherheitshalber
zwei Tage früher an. Neue Rennstrecke, neue Erfahrungen, neue
Ungewissheit.
"Alle Details sind im Laptop gespeichert", sagt Dave
Stubbs, und klopft sich dann leicht an die Stirn, "aber die
Pläne habe ich im Kopf." Dann wird er eine letzte Weisheit
derer los, die immer auf Achse sind: "Man muss immer wissen,
was man zu tun hat. Und was man dafür braucht." Bisher
hat er immer noch alles rechtzeitig gepackt. "Die schönste
Belohnung", sinniert der Brite, "wäre natürlich
auch für mich ein Sieg von Jaguar." Damit auch das grüne
Auto endlich auf den Platz kommt, den er in seinen Plänen dafür
vorgesehen hat.
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Einmal um die ganze Welt,
das klingt schwer nach Romantik. Wenn der Arbeitgeber dazu noch Tickets,
Hotel und Spesen bezahlt, riecht es sogar nach Traumjob. "Rennmechaniker",
sagt David Reddings, als Engineering Coordinator beim Formel-1 -Team
von Jaguar für die insgesamt 25 schnellen Schrauber des Rennstalls
verantwortlich, "das ist kein Beruf, den man sich aussucht. Dieser
Beruf sucht sich seine Leute aus."
Was der Insider, der zwei Jahre bei McLaren und sieben Jahre bei
Benetton gearbeitet hat, ehe er zur Saison 1997 von Jackie Stewart
für den Aufbau des heutigen Jaguar-Rennstalls gewonnen werden
konnte, damit meint: Wer zur Elite der Branche gehören will,
der muss sein Leben komplett auf die Formel 1 abstimmen. Das Team
wird ein Teil der Familie. Ein Leben aus dem Werkzeugkoffer, bis
zu 150.000 Kilometer sind David Reddings und Kollegen auf Achse
- und immer im Dienst. Stillstand ist in dieser Branche Rückschritt,
oder: Ohne Fleiß kein "Großer Preis".
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Zum Berufsbild gehört folgendes Grundprinzip:
Die Ersten werden die Letzten sein. Von Mittwoch vor bis Montag nach
dem Rennen setzt das technische Personal des Jaguar-Teams das um,
was im Winter im Trockentraining erbarmungslos gepaukt wurde. Jeder
Griff muss sitzen, Erfolg in der Formel 1 ist ein Sekundenglück.
Ein- und auspacken hunderter Kisten inklusive. Die Stopp-Uhr läuft
immer mit, von sechs Uhr morgens bis tief in die Nacht. Die Arbeitszeiten
der Grand-Prix-Mechaniker richten sich nicht nach Tarifverträgen.
Gearbeitet wird, bis der Rennwagen fertig ist. Da bleibt das Feierabend-Bier
häufig länger kalt gestellt als geplant. |
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Bei etwa 5000 Einzelteilen, aus denen
sich der Jaguar R1 zusammen setzt, und den unterschiedlichen Präferenzen
der beiden Team-Piloten, wie das Fahrzeug auf die jeweilige Strecke
einzustellen ist, lässt sich der Arbeitsumfang hoch rechnen:
Jedes Detail muss stimmen. Einfache Erfolgsformel: Je wohler sich
der Fahrer fühlt, je mehr Vertrauen er ins Material hat, desto
schneller kann er sein. Über die Zuverlässigkeit muss nicht
geredet werden - Ehrensache, dass alles getan wird, damit der Rennwagen
auch unter extremsten Belastungen haltbar bleibt. Nicht einmal, nicht
zweimal, sondern dreimal und mehr werden besonders beanspruchte Teile
gegengecheckt. Auch so ein Jaguar-Racing-Prinzip: Vertrauen ist gut,
Kontrolle ist besser. |
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Ein typischer Arbeitstag an der Strecke
beginnt für die Jaguar-Mannschaft um viertel nach sieben mit
dem "Fire-Up", einem Probelauf der Motoren. Dem Mechaniker
selbst muss häufig ein Kaffee-Becher als persönlicher Warm-Up
genügen. Die Standard-Mahlzeiten während des 16-Stunden-Tages
sind Müsli-Riegel, Obst und ein paar Teller Spaghetti. Während
der Nachtschicht - ohne Pausenraum und Hebebühne in der mobilen
Werkstatt - ist dann wieder Kaffee angesagt. David Reddings hat in
Sachen Speiseplan eine Art persönlicher Pole-Position: Seine
Frau Lyndy arbeitet im Catering-Team von McLaren. Das hat auch den
Vorteil, dass sich die Reddings öfter sehen als es in Formel-1
-Ehen eigentlich möglich ist. Es gibt nur ein Tabu-Thema: Über
Rennsport, sagt er - und man möge dafür bitte Verständnis
haben - unterhalte er sich nie mit seiner Gattin.
Auch zwischen den Rennwochenenden sind freie Tage Mangelware, und
wenn die im Zwei-Wochen-Rhythmus durchgezogene Rennsaison vorbei
ist, beginnen schon die Vorbereitungen für das kommende Jahr.
Dave is on the road again. Drei Wochen Urlaub am Stück kommen
einem Mechaniker wie zwei Jahre Ferien vor. Wie David und seine
Kollegen während der Saison ihre Batterien aufladen? Der 34-Jährige
verrät: "Es ist eine Frage der Motivation. Wer gewinnen
will - und wer von uns wollte das nicht - weiß, was er dafür
tun muss."
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Eine Menge des Erfolges in der Formel
1 hängt von den Menschen ab. Und deshalb geht es immer darum,
einen guten Job noch besser zu machen." Das Schlimmste an seinem
Job, sagt der College-Absolvent, der seinen ersten Kontakt mit dem
Motorsport durch einen von seinem Ausbildungsbetrieb Porsche geförderten
Techniker-Lehrgang hatte, sei es, wenn man nach 20 Stunden Arbeit
noch auf dem gleichen Stand ist wie am Anfang des Tages. "Aber
das", lacht er, "kommt selten vor." |
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Eigentlich wollte David Reddings mal zur
Armee, aber seine Ordnungsliebe lebt er jetzt in der Box aus, nicht
nur, was den Weckruf um sechs Uhr angeht. "Es ist wie auf einem
großen Segelschiff: Bei den Schraubschlüssel-Szenen muss
alles auf ein Kommando hören. Sonst gibt es bei 25 Mitarbeitern
auch 25 verschiedene Ideen, in welche Richtung gearbeitet werden soll.
Die Organisation eines Teams muss wirklich so ähnlich wie beim
Militär funktionieren", sagt Sergeant Dave - und schmunzelt
dabei. Nicht nur beim Boxen-Stopp, wenn die Overall-Fraktion zum Angriff
übergeht, ist eine präzise Formation gefordert. Auch bei
den mechanischen Routinearbeiten hört alles auf ein Kommando.
Unbezahlbar und Grundlage für den Erfolg ist ein Vertrauensverhältnis
zwischen Mechaniker und Fahrer. Im Rennsport geht wirklich nichts
ohne Teamwork. Jaguar hat es verinnerlicht: Einer für alle,
alle für einen.
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Was hält wie lange
in der Formel 1? |
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Zwei Rennen - Die hochsensiblen Multifunktionslenkräder erleben
selten mehr als zwei Rennen.

Je nach Verschleiß - Flügel und Spoiler werden bei Beschädigungen
sofort ersetzt.

Fünf Rennen- Die superleichten Magnesiumräder haben
nach zirka 3000 km ausgedient.
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Ein Rennen - Bremsscheiben und -beläge werden nach einem Rennwochenende
ersetzt.

Ein Rennen - Die Abgasanlage versieht ihren Dienst nur einen einzigen
Grand-Prix lang.

Ein Rennen bis eine Saison -
Fahrwerksfedern halten ein Jahr, die Stossdämpfer müssen
nach jedem Rennen überholt werden.
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Ein Rennen - danach werden die High-Tech Motoren zumindest umfassend
revidiert.

Extrem haltbar - Das Kohlefaser- Monocoque ist nahezu unverwüstlich.

Drei Rennen - Zwölf Overalls brauchen die Fahrer im Jahr
- sechs mit, sechs ohne Werbung.
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Formel-1-Autos sind enormen Belastungen
ausgesetzt. Die Einzelteile der Wagen müssen daher nach jedem
Rennen intensiv geprüft, einige nach jedem Grand Prix ausgetauscht
werden.
Zu den Fahrzeugteilen mit der geringsten Lebensdauer zählt
eine Kupplung. Sie wird beim Benetton beispielsweise nur für
einen Rennstart konstruiert. Beim Getriebe hält zwar das Gehäuse
oft eine ganze Saison, Zahnräder und Lager hingegen werden
nach jedem Rennen gewechselt.
Auch Unterböden werden für jedes Rennen neu hergestellt.
Die Mechaniker lackieren die Karosserie nach jedem Grand Prix, der
Auspuff wird gewechselt, der Bordcomputer, die Bremsscheiben und
Beläge ebenfalls. Nach jedem zweiten Rennen wird der Kühler
getauscht.
Etwas länger halten die Räder, normalerweise etwa fünf
Grand Prix. Empfindlich ist auch die Elektronik. Elektronische Teile
im Lenkrad "überleben" zwei bis drei Rennen. Hingegen
müssen manche für die Telemetrie notwendige Sensoren,
die großen Vibrationen oder Hitze ausgesetzt sind, nach jedem
Grand Prix gewechselt werden.
Gewartet wird ein Formel-1-Auto ohnehin ständig, viele Teile
werden zur Sicherheitsüberprüfung nach dem Grand Prix
zerlegt. Manches überdauert eine Saison: Federn der Radaufhängung
halten oft ein ganzes Jahr.
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